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01.08.2011

Brudergeschichte Teil 3

Und ich weine wie ein Mann, nämlich gar nicht. Die Tiefschläge des Lebens zielen doch immer aufs Gemüt. Die zertrümmerte Befindlichkeit. Und dann ist da noch diese verdammte Familie. Diese Leute, die behaupten ihres und mein Blut sei dicker als Wasser und ich steh nur da und will das bewiesen sehen, aber zunächst mal mit deren Blut. Niemand sollte die Dicke von Wasser unterschätzen.


Ach, wäre ich doch wie mein Bruder. Der hat letztes Jahr diese Spanierin geheiratet, hat diese Arbeit in einer Bank. Früher ist er noch, weil er ein wenig komisch sprach und lief und war als Behinderter verlacht worden. Mit ausgestreckten Fingern haben sie auf ihn gezeigt und ich hab ihn verteidigt und jetzt ist sein Leben eines, das er komplett im Griff hat. Er hat ein Haus gebaut, selbstfinanziert. Ich frage mich, ob sein Leben cooler ist als meins. Ich bin oft einsam und hole mir via youporn.com einen runter, während er eine rassige Schönheit begatten darf. Trella ist eine wunderbare Frau, seine Frau. Ich weiß, dass ihre Liebe von einer Haltbarkeit ist, die an die Halbwertzeiten von Atombrennstäben gemahnt.


Unser Vater ist vor einem Jahr gestorben. Einfach so. Er saß so rum, in seinem Leben und plötzlich wollte das Herz nicht mehr. Er saß zuhause auf dem Sofa, vor ihm sagte der Fernseher irgendwelche Unwichtigkeiten und meine Mutter war im Bügelraum. So nannte sie das wirklich, Bügelraum. Das war ein Zimmer, in das sie sich gerne einschloss, um Kleidung zu bügeln. Und als sie zurückkam, fand sie den blau angelaufenen Vater vor, aus dem kein Atem mehr kam und der ab jetzt ein ganz ruhiger war. Als wir an seinem Grab standen, erinnerte ich mich an sein verschwörerisches Verhalten, damals, nach dem Achtelfinale 1990, als er als blutiger Schläger, bis zum Anschlag angefüllt mit Widersprüchen vor mir stand und seinen väterlichen Heldenstatus von mir und meinem Bruder bewundert wissen wollte. Wer sonst nichts hatte und konnte, mußte sich halt von seiner halbgaren Brut bewundern lassen. Dieser Satz fiel mir erst Jahre später ein, als mein Vater betrunken auf einem Familienfest mich und meinen Bruder verglich und unsere Lebensläufe analysierte. Mike kam dabei besser weg als ich, aber da war der Zeitpunkt schon längst überschritten, an dem mich sowas berühren konnte. Am Grab war ich dann aber doch traurig, wegen der vielen ungenutzten Möglichkeiten, vielleicht aus der Scheiße, die wir ausmachten, zwei Leben zu formen, die imstande waren, sich zu berühren. Schnittmengen gab es kaum und Oberflächlichkeiten tausendfach und so vergingen die Jahre und jetzt lag er hier, unter einem Deckel und ich fragte mich, ob er jetzt vielleicht lächelte. Irgendwie ist sein schmallippiger Mund vielleicht dazu imstande, das zu vollbringen. Meine Mutter weinte stumm und würdevoll. Seltsames Weinen, dieses stumme und würdevolle Weinen, es sieht kein Stück aus wie echtes Traurigsein.


Seltsam, wie sich Menschen so entwickeln. Welche Wege Menschen beschreiten und was sie an Weggabelungen denken, das würde ich gerne mal wissen. Niemand hat mir jemals gezeigt, wie das geht, mit diesem entscheiden. Dieses Abwägen, dieses Bedenken, ich kann das nicht, das ist nicht meins. Mein Leben besteht eigentlich aus einer Anhäufung von Zufällen, zufälligen Begegnungen, zufällig an mein Ufer gespülte Menschen. Eine Kette aus Ereignissen, an denen ich zwar teilhabe, aber ich bin nicht der, der die Sache hier steuert, ich bin ein Sklave der Ereignisse und ich lasse sie einfach passieren.


Ich hab es nie geschafft, jemanden in meinem Leben zu behalten. Also wegen Liebe. Nur immer auf der Flucht waren die, die ich lieben wollte. So oft wurde ich so jämmerlich verlassen, weil ich nur eine beschissene Art zu lieben verstand, nämlich die, die in Selbstaufgabe mündet. Das ist natürlich viel zu viel für Leute, die mich jeden Tag um sich haben mögen. Das habe ich aber erst sehr spät erkannt. Und am Ende war ich dann der, der nicht mehr die Fähigkeit aufbringen konnte, andere in die Nähe meines Herzens zu lassen. Das hat mit Schmerz zu tun, zu erkennen, dass das nicht mehr geht, mit elendem Schmerz, der sich anfühlt wie Haut abziehen nach Verbrennungen. Sich Liebe wünschen und sich nicht verlieben können ist wie in Reichweite eines gefüllten Wasserglases zu verdursten, ist wie vorm gefüllten Teller verhungern, ist das Schlimmte überhaupt, dem man vor seinem Tod begegnen kann.


Erkenntnisse waren auch nie so mein Ding. Mein Ding war immer: Fehler machen und bloß nicht daraus lernen. Es waren einfach zu viele Fehler und sie überfielen mein Leben in zu schneller Folge. So wie jetzt, das hier ist auch ein Fehler ...


... da liegt sie und lacht, weil ich wieder diesen Krüppelwitz gemacht habe, den mit der Hand und sie lacht und nackt und frisch gefickt ist sie die schönste überhaupt. Sie ist ein bißchen dumm habe ich gemerkt, was sich aber keinesfalls zum Nachteil unserer Begegnungen auswirkt. Ihre Dummheit wird durch ihre Schönheit beiseite geschoben und wenn ich ihre Dummheit nicht mehr sehe, ist sie die geilste Frau der Welt. Oh, Trella, was machen wir hier? Wir leben, würde sie sagen, wenn sie jetzt was Kluges sagen könnte, aber sie schweigt und lächelt und ihre brauen kleinen Augen zwinkern, als ob sie eine viel zu schnelle Diashow im Kopf hätte.


Wir ficken noch einmal, ausgiebig. Ihr Körper ist wie eine Insel, auf der man den besten aller Wellnessurlaube haben kann. Und sie ist auf mir und ich sehe, wie sich die Natur hier auf der Insel in schöne Augenblicke verwandelt. Alles viel zu geil, um wirklich falsch zu sein, denke ich, kurz nachdem wir daliegen, wie ein zweiteiliges Besteckset und ich noch in ihr bin und sie ist um mich und wir Richtungslosen kennen keine Fehler. Zumindest keine, die wir selber machen.


"Ich kann das bald nicht mehr tun", sagt sie dann, nackt in meiner unaufgeräumten Küche und ich frag so: "Was?" "Mike bescheißen", sagt sie kurz und tut sich Süßstoff in den Kaffee. Sie guckt nachdenklich, aber ich weiß, dass sie auch so ist wie ich, so überhaupt ganz wenig reflektiert. Nach dem Ficken kommt ein bißchen Schmerz, weil sie später wieder in irgendein Leben zurückmuss, dass ihr Schuld suggeriert, aber dann sieht sie mich an, mit ihren schönen dunklen Augen und lächelt und sagt: "Wenn er es erfährt, er bringt uns beide um." Ich gehe zu ihr rüber, an die andere Seite des Tisches und küsse ihren schönen, vollen Mund und dann gleitet ihre Zunge in mich und meine in sie und ihre Kaffeetasse stellt sie auf den Tisch und ich ziehe sie hoch von ihrem Tisch und dann steht sie vor mir in ihrer kompletten Nacktheit und schiebe sie langsam Richtung Tisch. Sie setzt sich neben die Kaffeetasse und öffnet ihre Beine. Ihre Muschi ist wie eine Badeanstalt in den Sommerferien, feucht und fröhlich und ich gleite mit meinem Finger durch die sanfte Nässe und stecke ihr den Finger in den Mund. Sie leckt ihn gierig ab und dann zieht sie mich zu sich, wirft dabei unabsichtlich ihre halbvolle Kaffeetasse vom Tisch, die laut scheppernd auf meinem Fußboden zu einem groben Schwerbenhaufen wird. Kaffee fließt durch die Fliesenfugen. Irgendwo entsteht ein See und wir zelebrieren unsere Lust auf dem Küchentisch. Mir ist soviel egal, das fühlt sich gut an.


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