Blog

10.08.2011

Yvonne

Welcher Tag war noch?
Der Typ an meiner Hand nennt einen Straßennamen. Ich kenne die Straße, bei der Stadt bin ich nicht so sicher.
Die Hand des Jungen fühlt sich an wie feuchtes Moos. Er erzählt etwas, doch seine Stimme erzeugt kein Geräusch.
Irgendwann stolpere ich in ein Zimmer, bleibe auf einer Matratze liegen und fühle den Stoff von meiner Haut gleiten.
Ich drehe mich auf den Bauch und fülle die Wasserpfeife, die neben dem Bett steht, mit Dope. Während ich den Topf rauche dringt der Typ von hinten in mich ein.
Er ist zu schnell, verdammt, er ist viel zu schnell.
Ich greife nach der Pfeife, zerbreche sie an der Wand, und zieh dem Typen eine Scherbe über die Brust. Er sackt zusammen. Ich stoße den Penner von mir, und trete ihm ein paarmal fest in die Eier.
Brechreiz überkommt mich. Ich renne aus der Wohnung, kotze ins Treppenhaus und taumle in irgendeine Straße, torkle immer weiter durch betonumwölkte Nacht.
Obwohl ich nackt bin, spüre ich keine Kälte,
ich fühle dass ich renne, doch spüre keine Hast.
Bald sehe ich Bäume.
Leiser Gesang sickert durch die Äste. Kerzenlicht drängt zögernd durch die Dunkelheit. Ein Name wird ausgerufen. Ich kenne den Namen. Er ist alt. Er ist dunkel.
Auf einer Lichtung rammt ein Typ in schwarzer Kutte ein Messer in den Hals einer Ziege. Zwei vermummte Gestalten kauern dahinter und berühren mit der Stirn den Boden.
Ich falle dem Typen mit dem Messer entgegen. Er fängt mich auf, und streicht mit seinen kalten Fingerspitzen über meine Brust. Ich fühle mehrere Hände an meiner Haut ziehen, spüre Fingernägel, schmecke Gestank. Ich stolpere über den zuckenden Kadaver, und greife im Fallen nach dem Messer dass am Boden liegt.
Ich lecke das Blut von der Klinge, streichle währenddessen das noch warme Fell der Ziege. Die Typen in schwarz nähern sich langsam, kriechen auf dem Boden, lüstern grinsend, das Tier und mich begehrend.
Der gierigste von ihnen bekommt das Messer in den Sack. Dann laufe ich weiter und weiter durch baumbeatmeten Nebel.
Irgendwo ist ein Felsen, dahinter das Meer. Auf einem Steg sitzt ein Angler. Er flüstert mir zu, ohne mich anzusehen. Das Schlucken schmerzt. In meiner Speiseröhre steckt ein Haken. Ich schmecke Blut, fühle einen Widerstand mich immer näher an das Wasser ziehen. Ich kämpfe, doch verliere Meter um Meter. Das Wasser umspült meine Knie, der Angler flüstert immer lauter, die Luft in meiner Brust wird knapp. Ich schlage um mich, prügle in die Wellen, doch schmecke nur Salz und Erstickung.
Ich wache auf als der Pfleger meine Hand- und Fußfesseln straffer zieht.


auf facebook teilen
  •  
  • 0 Kommentar(e)
  •  

Mein Kommentar

Ich möchte über jeden weiteren Kommentar in diesem Post benachrichtigt werden.

Zurück zur Bloglist

YouTubeNewsletterSoundCloud

Meist gelesene Posts

Dirk Bernemann
4222 mal gelesen
Dirk Bernemann
3767 mal gelesen
Lisa Neumann
3203 mal gelesen
Stefan Kalbers
2946 mal gelesen