Kleine Fische küssen besser

Klappentext

Kleine Fische küssen besser

Was gibt es Schlimmeres als verlassen zu werden?

Genau dann verlassen zu werden, wenn Frau es am allerwenigsten erwartet – in Strapsen, High Heels und einem Hauch von Nichts in der Küche stehend zum Beispiel. Statt scharfem Liebesschmaus setzt es für Lola ein bitteres Liebesaus und sie steht im verflixten siebten Jahr plötzlich auf der Straße. Schlimmer kann es also kaum kommen!

Bis ein metrosexueller Millionär, ein schnuckeliger Schwuler und ein manierloser Macho in Lolas Leben treten. Da hilft nur eine von Lolas perfekt ausgeklügelten Strategien, doch die macht das Chaos erst recht perfekt…

Kleine Fische küssen besser - Jana Krivanek

Jana Krivanek liest aus ihrem Buch (Spezial Gast: Andy Strauß)

Leseprobe

Hat Marie nicht gesagt, für mich sei ein Shuttleservice zum Hotel organisiert? Es ist jetzt kurz nach halb neun und ich warte seit geschlagenen 15 Minuten samt Gepäck vor dem Ausgang. Trage auch extra deswegen meinen blauen Sweater mit dem München-Aufdruck – soll als Erkennungszeichen dienen. Aber weit und breit ist niemand, der auch nur den geringsten Anschein macht, als wolle er mich erkennen. Wenn hier nicht bald einer auftaucht, dann nehme ich mir ein Taxi.

Hole mir meine Reserveflasche Wasser aus dem Koffer und mache es mir auf den Pflastersteinen gemütlich. Fühle mich bereits in der unromantischen Atmosphäre des Flughafens pudelwohl, was für angenehme Temperaturen! Heute Morgen musste ich noch die Scheiben am Mini kratzen, was ich übrigens hasse wie die Pest, und jetzt befinde ich mich mit meinem Hintern auf dem sonnengewärmten Gehsteig zig tausend Kilometer von der Heimat entfernt. Langsam fange ich selbst an zu glauben, dass Verreisen in meiner Situation die einzig richtige Entscheidung war. Gut Ding will eben Weile haben!

Was ist das denn für ein Idiot, der mit quietschenden Reifen um die Kurve schießt und auf mich zugerast kommt. Hat der Maulwurf keine Augen im Kopf! Er rast wie ein Blitz an mir vorbei und ich schaffe es im letzten Moment, meine Beine weg zu ziehen und einer Amputation zu entgehen.

«Schon mal was von Bremsen gehört, Schwachkopf!», brülle ich ihm hinterher.

Gott sei Dank sprechen die hier kein Deutsch, da kann man sich rhetorisch richtig austoben.

Oh, vielleicht aber auch nicht, denn der Typ in seiner Scheißkarre bremst runter, legt den Rückwärtsgang ein und rollt zurück. Ist ja wunderbar – bin kaum hier und werde vermutlich auch gleich wegen Beleidigung wieder ausgewiesen.

Die mintgrüne Mühle bleibt direkt vor meiner Nase stehen und jetzt ist auch sehr deutlich zu erkennen, dass der Fahrer nicht ägyptisch, sondern vielmehr europäisch aussieht. Irgendwie schnuckelig europäisch. Vielleicht ein wenig jung, aber mit dem werde ich schon fertig, falls er sich jetzt wichtig machen will. Er öffnet die Fahrertür und steigt aus.

«Bist du Caro?», fragt er etwas genervt in meine Richtung.

Oh, wir sind ja sogar schnuckelig deutsch. Und auf seinem T-Shirt leuchtet in knallgelber Aufschrift der Name des Hotels, wo auch ich verweilen werde. Also ist er wohl mein persönlicher Shuttleservice. Ich frage mich zwar, wie ich meinen Riesenkoffer in diese Nussschale auf vier Rädern kriegen soll, aber das wird sich dann schon zeigen. Vielleicht fährt der Herr ja zweimal. Haha. Gegen dieses Gefährt ist mein Mini ja ein Großtransporter.

«Warum?»

Das mögen Männer besonders gern, wenn sie auf eine einfache Frage keine einfache Antwort kriegen, stattdessen aber eine Gegenfrage. Mal sehen, wie geduldig das Bürschchen ist.

«Wenn du nicht Caro bist, dann fahre ich wieder.»

Er öffnet die Autotür und macht Anstalten, sich wieder rein zu setzen. Wohl nicht sehr kooperativ diese kleine Spaßbremse!

«Warte, ja, ja, ich bin Caro. Bis du mein Chauffeur?»

«Nein, ich bin der Chefanimateur und tue meiner Schwester nur einen Gefallen. Mehr nicht.»

Keine Ahnung, von welchem Verwandtschaftsverhältnis er spricht. Auf jeden Fall ist mit dem nicht gut Kirschen essen. Musste der seine Freundin nackt und in Bereitschaft auf seinem Bett zurücklassen, nur um eine lästige Touristin abzuholen? Oder kommt heute vielleicht Fußball? Dann kommt eine Caro Fecht natürlich auch ungelegen. Fakt ist, zwischen uns beiden sind jegliche Sympathien bereits in den ersten zehn Sekunden abgestorben.

«Was ist jetzt? Brauchst du eine Extraeinladung?»

«Schon gut, schon gut. Wo soll ich den Koffer hin packen?»

«Kofferraum.»

«Ach so. Deswegen heißt der wahrscheinlich auch so. », erwidere ich mindestens genauso unfreundlich.

Ich rolle mein Gepäck in Richtung Heck. Natürlich macht Mr. Superarsch keine Anstalten, sich in Bewegung zu setzen, um mir zu helfen. Stattdessen lehnt er lässig arrogant an der Fahrertür und schaut mir gelassen zu.

Wie zum Teufel geht dieser verdammte Kofferraum auf? Vermutlich mache ich mich vor diesem Affen auch noch lächerlich. Das muss doch die wahre Genugtuung für den sein.

Da habe ich etwas ertastet, das sich nach einem Schnapper anfühlt. Ich drücke drauf. JUHU, die Kofferraumtür springt auf. It’s not a trick, it’s a Caro – mein Künstlername ist nämlich Copperfield. Ich packe meinen Koffer unter Mobilisierung aller mir zur Verfügung stehenden Kräfte rein, und knalle die Türe wieder zu. Selbst ist die Frau, und sicher nicht auf die Hilfe eines arroganten Vollidioten angewiesen.

«Hey, sachte! », motzt er mich an.

Ich ignoriere seine Ermahnung, begebe mich zur Beifahrerseite, atme noch mal tief durch und steige ein. Das wird sicher eine ganz besonders angenehme Fahrt. Dagegen war der Flug wahrscheinlich ein wahres Vergnügen.


Nach endlos dauernden 15 Minuten Autofahrt, einer Volldröhnung «Ärzte» in maximaler Lautstärke und keinem einzigen Wortwechsel zwischen Mr. Chefanimateur Vollidiot und mir, wurde ich soeben vor dem Hoteleingang abgesetzt. Natürlich hatte mein liebenswerter Fahrer nicht die Muse, mir meinen Koffer zu reichen.


Wenn alle Mitarbeiter dieser Anlage so motiviert, hilfsbereit und kommunikativ sind wie dieser manierlose Macho, dann wird das bestimmt ein unvergesslicher Aufenthalt. In diesem Fall muss ich mir heute Abend bei einem Caipi eine Strategie überlegen, wie ich die sechs Tage ungeschoren überstehe.

» Jana Krivanek, Kleine Fische küssen besser | Taschenbuch | 254 s. | 9,99 € | ISBN: 9783942920018 | Veröffentlichungsdatum: 01.08.2011
YouTubeNewsletterSoundCloud

News

Wir auf der Leipziger Buchmesse 2018

Ihr findet uns in Halle 5 Stand G103, hier unser Leseprogramm auf der Messe:


10 Euro Gutschein gewinnen

Gebt einfach euren Tipp auf unserer Facebookseite ab


Twitternews

  • Hier ein Schnelldurchlauf durch das neue Postkartenbuch von Clara Deitmar. Die Katze am Ende gehört nicht dazu, abe… https://t.co/9y8PpbIttI